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am 12. November

Kommentar zur Frauennamen im öf­fent­lichen Raum

Anneliese Weichart - Kommentar zum Artikel "Weg blieb männlich" NÖN 45/2021

Der Bericht aus dem Gemeinderat Wiener Neustadts vom 8. November 2021 zeigt deutlich warum „keine geeignete Frau mit Künstlerhintergrund“ gefunden werden konnte. Frauen wurden in der Geschichte systematisch „vergessen“. Ihre Taten, Werke und Errungenschaften wurden kleingeredet. So auch die Erfolge und Leistungen von Therese De Dillmont, eine vergessene Wiener Neustädterin.

De Dillmont kam am 10. Oktober 1846 als jüngste Tochter von Franziska und Ferdinand De Dillmont zur Welt. Die Familie Ihrer Mutter war im Besitz des Gasthauses ‘Zum goldenen Adler’ in der Adlergasse und Ihr Vater war Major und unterrichtete Fortifikation und Baukunst an der Militärakademie.

Nachdem der Vater früh verstarb wurde De Dillmont als das jüngste von vier Kindern zur Gouvernante ausgebildet. Gouvernante und auch Handarbeiten, waren zu dieser Zeit eine der sehr wenigen Möglichkeiten als Frau eine bezahlte qualifizierte Berufstätigkeit auszuüben. 1884 wurde De Dillmont vom elsässischen Textilindustriellen Jean Dollfus-Mieg als Handarbeitslehrerin in der Textilfabrik Dollfus-Mieg in Dornach bei Mülhausen angestellt.

Mit 40 Jahren, 1886 schrieb Sie den Klassiker der Handarbeit unter dem Titel Enzyklopädie der weiblichen Handarbeiten. Ihr Buch wurde in 17 Sprachen übersetzt und vor wenigen Jahren wieder aufgelegt. Es wurden mehr als 2 Millionen Exemplare von diesem Buch verkauft. In den Jahren von 1885 bis 1887 eröffnete De Dillmont Handarbeitsgeschäfte in Wien, London, Paris und Berlin. Ich frage mich wieviele Wiener Neustädter solche Erfolge verbuchen können.

De Dillmont war also kein unscheinbares Fräulein sondern eine moderne berufstätige Frau die sehr erfolgreich war. Und das in den 1900er Jahren. In Frankreich wurde eine Briefmarkenserie mit ihrem Bild angelegt. Als Weißnäherin entwarf Sie Muster und Kollektionen welches durchaus eine künstlerische Tätigkeit ist.

Schade dass die Stadt Wiener Neustadt einmal mehr eine Gelegenheit verpasst hat eine große Tochter der Stadt vor den Vorhang zu holen.  Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt denn wie sagte Herr Bürgermeister Schneeberger in der Gemeinderatssitzung am 8. November „dann und wann“ würden auch Frauennamen bei der Benennung im öffentlichen Raum zum Zug kommen. Schade auch das mit dem Artikel in der NÖN in die gleiche Kerbe geschlagen wurde.“